Das Jüdische Viertel ist der Stadtteil mit den dichtesten Geschichten — eine Welt, in der Mahnmal und Bar-Szene Tür an Tür existieren, ohne sich gegenseitig zu stören.
Das siebte Bezirk Budapests, das ehemalige Jüdische Viertel, ist heute das vielleicht spannendste Viertel der Stadt. Hier liegen die größte Synagoge Europas, einige der schmerzlichsten Mahnmale Mitteleuropas und gleichzeitig das pulsierende Herz der Budapester Bar-Szene. Diese Gleichzeitigkeit ist nicht zynisch — sie ist Programm.
Geschichte des Jüdischen Viertels
Im 18. und 19. Jahrhundert siedelte sich rund um die Dohány-Straße eine wachsende jüdische Gemeinde an, die im 20. Jahrhundert mehrere Hunderttausend Menschen umfasste. 1944 wurde das Viertel zum Ghetto, in dem unter unmenschlichen Bedingungen Zehntausende ermordet oder deportiert wurden. Die Synagoge stand mitten in dieser Hölle. Heute ist das Viertel zugleich Erinnerungsort, lebendige Gemeinde und Trendviertel — drei Schichten, die nebeneinander existieren.
Die Große Synagoge in der Dohány-Straße
Die Dohány-Straßen-Synagoge ist mit über 3.000 Sitzplätzen die größte Europas und die zweitgrößte der Welt. Erbaut 1859 im maurisch-byzantinischen Stil, mit Türmen, die fast wie Minarette wirken. Im Inneren beeindrucken die Höhe und die Orgel — ja, eine Synagoge mit Orgel, einzigartig im Judentum. Hinter der Synagoge liegt der jüdische Friedhof mit Massengräbern aus dem Winter 1944.
Holocaust-Gedenkstätten
- Schuhe am Donauufer — sechzig paarweise aufgestellte Eisenschuhe als Mahnmal an die Erschießungen Ende 1944.
- Trauerweide im Synagogenhof — Imre Vargas „Lebensbaum“ trägt auf jedem Blatt einen Namen der Ermordeten.
- Raoul-Wallenberg-Denkmal — erinnert an den schwedischen Diplomaten, der Tausende rettete.
- Memorial-Center an der Holocaust-Gedenkstätte in der Páva-Straße.
Ruinenkneipen — die zweite Seele des Viertels
Anfang der 2000er besetzten junge Budapester leerstehende Hinterhöfe und richteten dort Bars ein — bewusst unfertig, mit alten Möbeln, Pflanzen, Lichterketten. Daraus wurde eine Bewegung. Die berühmteste Ruinenkneipe ist die Szimpla Kert in der Kazinczy-Straße, aber das Konzept hat das ganze Viertel geprägt. Eine Stunde am Abend in einer Ruinenkneipe sagt viel über das junge Budapest aus.
Was Sie nicht verpassen sollten
- Klauzál-Platz — historischer Marktplatz und Herz des ehemaligen Ghettos.
- Kazinczy-Straße — die Achse der Ruinenkneipen, abends ein Erlebnis.
- Die orthodoxe Synagoge in der Kazinczy-Straße — kleiner, intimer als die Dohány.
- Streetart in den Seitenstraßen — Budapest ist hier ein Open-Air-Galerie.
- Eine koschere Bäckerei für Flódni, das traditionelle ungarisch-jüdische Gebäck.
Eine geführte Tour durch das Jüdische Viertel
Das Jüdische Viertel ist ein Ort, an dem Erklärung wirklich hilft. Was war einst dort, wo heute eine Bar steht? Welche Spuren tragen die Häuser, welche Innenhöfe sind original? Eine geführte Tour macht aus einem netten Spaziergang ein Stück verstandene Geschichte. Schreiben Sie mir, wenn Sie das Viertel auf diese Weise erleben möchten.
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