Das ungarische Parlamentsgebäude in Budapest bei Tag, von der Donau aus gesehen, mit seiner neogotischen Fassade und der zentralen Kuppel

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Das ungarische Parlament in Budapest: Geschichte, Führungen & Besuchertipps

8 Min. LesezeitÁgnes Szamosvári

365 Türmchen, 691 Räume und die ungarische Stephanskrone: Warum das Parlament der eindrucksvollste Bau Budapests ist — und wie Sie ihn richtig erleben.

Es gibt kaum ein Bild von Budapest, auf dem es nicht zu sehen ist: Das ungarische Parlament an der Donau, mit seiner roten Kuppel, der neogotischen Fassade und den unzähligen Türmchen, ist das unbestrittene Wahrzeichen der Stadt. Wer auf Fluss-Schiff, Aussichtspunkt oder Brücke steht, wird unweigerlich von diesem riesigen Bau angezogen. Und tatsächlich lohnt es sich, das Gebäude nicht nur von außen zu bewundern — eine Innenführung gehört für viele Besucher zum Höhepunkt ihrer Budapest-Reise.

In diesem Beitrag erfahren Sie, warum das Parlament so besonders ist, was Sie bei einer Führung erwartet, wie Sie Tickets bekommen und wo Sie die schönsten Blicke auf das Gebäude haben.

Die Geschichte des Parlamentsgebäudes

Als Ungarn 1867 mit der Gründung der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie zu einem gleichberechtigten Teil des Habsburgerreiches wurde, brauchte das Land ein angemessenes Symbol seiner neuen Souveränität. 1885 wurde der Architekt Imre Steindl mit dem Entwurf beauftragt — ein Wettbewerb, an dem auch andere namhafte Architekten teilnahmen, deren Pläne später für das Ethnografische Museum und das Landwirtschaftsministerium gegenüber des Parlaments verwendet wurden.

Der Bau begann 1885 und dauerte 17 Jahre. Steindl orientierte sich am englischen Westminster-Palast, mischte aber neogotische Formen mit Renaissance-Elementen und einer charakteristischen zentralen Kuppel. Bei der Einweihung 1902 war es eines der größten Parlamentsgebäude der Welt — und tragischerweise erlebte Steindl die Vollendung seines Lebenswerks nicht mehr. Er war kurz zuvor erblindet und verstorben.

Zahlen, die beeindrucken

  • 268 Meter lang — das längste Gebäude Ungarns
  • 96 Meter hoch — exakt gleich hoch wie die Stephansbasilika, als Symbol für die Gleichstellung von weltlicher und kirchlicher Macht
  • 365 Türmchen — eines für jeden Tag des Jahres
  • 691 Räume und 27 Eingänge
  • 20 Kilometer Treppen im Inneren
  • Rund 40 Kilogramm Gold wurden für die Innendekoration verwendet

Was Sie bei einer Führung erwartet

Das Parlament kann nur im Rahmen einer geführten Tour besichtigt werden — individuelles Schlendern ist nicht möglich, da das Gebäude weiterhin als Sitz der ungarischen Nationalversammlung dient. Die Führung dauert etwa 45 Minuten und führt Sie durch einige der prachtvollsten Räume Ungarns.

  • Die monumentale Hauptreppe mit Fresken, Kristalllüstern und Marmorsäulen
  • Die zentrale Kuppelhalle, in der die ungarischen Krönungsinsignien — darunter die heilige Stephanskrone aus dem 11. Jahrhundert — präsentiert werden
  • Der alte Oberhaussaal, in dem heute Empfänge und seltene parlamentarische Sitzungen stattfinden
  • Lange Korridore mit Zigarrenhaltern aus Messing — eine Erinnerung an die Zeit, als Abgeordnete während der Debatten draußen rauchten

Besonders die Stephanskrone ist mehr als ein Schmuckstück: Sie gilt als das wichtigste nationale Symbol Ungarns und steht seit 2000 unter dem Schutz der Verfassung. In der Kuppelhalle herrscht Fotografierverbot, in den anderen Räumen ist Fotografieren ohne Blitz erlaubt.

Tickets, Preise und Führungssprachen

Führungen werden in mehreren Sprachen angeboten — darunter Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und natürlich Ungarisch. Die deutschsprachigen Führungen sind besonders beliebt und oft Wochen im Voraus ausgebucht. Buchen Sie deshalb möglichst früh online über die offizielle Website (jegymester.hu/parlament), nicht erst vor Ort.

Die Eintrittspreise liegen für EU-Bürger bei rund 5.000 Forint (ca. 13 Euro) und für Nicht-EU-Bürger bei rund 10.000 Forint (ca. 26 Euro). Kinder, Studenten und Senioren erhalten Ermäßigungen. Geöffnet ist das Parlament für Besucher in der Regel täglich, außer an Tagen, an denen das Plenum tagt — die genauen Zeiten variieren saisonal.

Wachablösung am Kossuth-Platz

Vor dem Haupteingang findet jede Stunde die zeremonielle Wachablösung statt — ein kurzes, aber sehenswertes Spektakel. Die feierliche Variante mit Musik und größerem Aufgebot gibt es täglich um 12:00 Uhr. Der Kossuth Lajos tér selbst wurde nach umfangreichen Renovierungen 2014 neu gestaltet und ist heute eine elegante Platzanlage mit Denkmälern, einem unterirdischen Besucherzentrum und Erinnerungsorten an den Volksaufstand von 1956.

Wo Sie den schönsten Blick haben

Das Parlament ist von außen mindestens so beeindruckend wie von innen. Diese Standorte sind unter Einheimischen wie Fotografen besonders beliebt:

  • Fischerbastei auf der Budaer Burgseite — der wohl klassischste Postkartenblick, vor allem zum Sonnenuntergang
  • Batthyány tér am Donauufer — auf gleicher Höhe wie das Parlament, perfekt zum Fotografieren der gesamten Fassade
  • Donau-Promenade in Pest — direkter Spaziergang zwischen Kettenbrücke und Parlament
  • Margaretenbrücke (Margit híd) — leicht erhöhter Blick mit der Donau im Vordergrund
  • Donau-Schifffahrt am Abend — wenn das Parlament beleuchtet ist, wirkt es wie aus einem Märchen

Schuhe am Donauufer — ein Mahnmal direkt nebenan

Nur wenige Schritte vom Parlament entfernt, am Donauufer Richtung Kettenbrücke, befindet sich eines der ergreifendsten Mahnmale Europas: 60 paarweise aufgestellte Eisenschuhe, die an die jüdischen Bürger Budapests erinnern, die Ende 1944 von ungarischen Pfeilkreuzlern an dieser Stelle erschossen und in die Donau gestürzt wurden. Ein stiller, verstörender Ort, den ich in meinen Touren nie auslasse — und der zeigt, dass Budapest neben aller Pracht auch eine schwere Geschichte trägt.

Tipps für Ihren Besuch

  • Buchen Sie Tickets mindestens zwei Wochen im Voraus — besonders im Sommer und an Wochenenden.
  • Erscheinen Sie 15–20 Minuten vor Beginn am Besuchereingang (Tor X, an der Nordseite des Gebäudes).
  • Sicherheitskontrollen ähneln denen am Flughafen — große Taschen sind nicht erlaubt.
  • Innen ist es auch im Sommer kühl — eine leichte Jacke schadet nicht.
  • Kombinieren Sie den Besuch mit einem Spaziergang zur Stephansbasilika und entlang der Donau-Promenade.

Das Parlament als Teil meiner Stadtführungen

Das Parlament ist fester Bestandteil meiner klassischen Stadttour — auch wenn die Innenführung durch das Haus selbst getrennt gebucht werden muss. Ich erkläre Ihnen die Architektur und Geschichte von außen, führe Sie über den Kossuth-Platz, zu den Schuhen am Donauufer und weiter Richtung Stephansbasilika. Auf Wunsch koordiniere ich auch das Timing so, dass Sie nach unserer Tour bequem zur deutschsprachigen Innenführung übergehen können.

Schreiben Sie mir gerne, wenn Sie eine individuelle Tour mit Parlamentsbesuch wünschen — ich helfe Ihnen bei der Ticketbuchung und plane den Tag so, dass Sie Wartezeiten vermeiden und das Beste aus Ihrem Budapest-Besuch herausholen.

Foto: Nesir Muradov / Unsplash

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