Die Széchenyi-Kettenbrücke in Budapest bei Sonnenaufgang, mit ihren steinernen Löwen und den geschwungenen Stahlketten über der Donau

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Die Kettenbrücke in Budapest: Geschichte, Anekdoten & Tipps für Ihren Besuch

7 Min. LesezeitÁgnes Szamosvári

Die erste feste Brücke zwischen Buda und Pest verband 1849 nicht nur zwei Städte, sondern auch zwei Welten. Was Sie über das berühmteste Bauwerk Budapests wissen sollten.

Wenn ein einzelnes Bauwerk Budapest symbolisieren müsste, dann wäre es die Kettenbrücke. Sie ist nicht die längste Brücke der Stadt, nicht die jüngste und auch nicht die spektakulärste — und doch hat keine andere eine ähnliche Bedeutung. Mit ihren steinernen Löwen, den geschwungenen Ketten und der idealen Lage zwischen Burgviertel und Innenstadt ist sie das emotionale Zentrum Budapests.

In diesem Beitrag erfahren Sie, warum die Kettenbrücke (ungarisch: Széchenyi lánchíd) so wichtig ist, welche Geschichten sich um sie ranken und wie Sie sie auf Ihrem Budapest-Besuch am besten erleben.

Warum die Kettenbrücke gebaut wurde

Bis ins 19. Jahrhundert waren Buda und Pest zwei getrennte Städte, durch die Donau geteilt und nur über eine Schiffbrücke verbunden, die im Winter regelmäßig abgebaut werden musste. Im Januar 1820 sollte Graf István Széchenyi — einer der wichtigsten Reformer Ungarns — zur Beerdigung seines Vaters reisen, doch das Eis auf der Donau machte die Überquerung tagelang unmöglich. Diese Erfahrung soll ihn zu seinem lebenslangen Projekt inspiriert haben: eine feste Brücke zwischen den beiden Städten.

Széchenyi engagierte den englischen Ingenieur William Tierney Clark, der zuvor die Hammersmith-Brücke in London entworfen hatte. Die Bauleitung übernahm der schottische Ingenieur Adam Clark — namensgleich, aber nicht verwandt. Der Bau begann 1839 und wurde 1849 vollendet. Es war die erste feste Brücke zwischen Buda und Pest und gleichzeitig eine der ersten Hängebrücken auf dem europäischen Festland.

Architektur und Zahlen

  • Gesamtlänge: 375 Meter, mit einer Hauptspannweite von 202 Metern — bei der Eröffnung eine der längsten der Welt
  • Zwei steinerne Pylone im klassizistischen Stil, gefertigt aus ungarischem Kalkstein
  • Vier Löwenskulpturen am Brückenkopf, die seit 1852 Wache halten
  • Die Originalketten waren aus Schmiedeeisen — heute besteht die Brücke aus modernem Stahl, behält aber das ursprüngliche Erscheinungsbild bei
  • Beleuchtung mit über 800 Glühbirnen entlang der Ketten — abends ein magischer Anblick

Die Anekdote mit den Löwenzungen

Die wohl bekannteste Geschichte rund um die Kettenbrücke betrifft die vier Löwenskulpturen des Bildhauers János Marschalkó. Es heißt, ein Schuljunge habe bei der feierlichen Enthüllung 1852 gerufen: „Den Löwen fehlen die Zungen!“ Der gekränkte Bildhauer soll sich daraufhin aus Verzweiflung in die Donau gestürzt haben. Die Wahrheit ist weniger dramatisch — die Löwen haben tatsächlich Zungen, sie sind nur von unten nicht zu sehen — und Marschalkó lebte nach der Eröffnung noch viele Jahre. Trotzdem hält sich die Legende bis heute.

Krieg, Wiederaufbau und Renovierung

Im Januar 1945, in den letzten Tagen der Schlacht um Budapest, sprengte die zurückweichende deutsche Wehrmacht alle Donaubrücken der Stadt — auch die Kettenbrücke. Nur die Pylone blieben stehen. Der Wiederaufbau dauerte mehrere Jahre, und die Brücke wurde am 20. November 1949 — exakt 100 Jahre nach ihrer ursprünglichen Eröffnung — wiedereröffnet.

Zwischen 2021 und 2023 wurde die Brücke umfassend saniert. Das gesamte Tragwerk wurde überholt, die Beleuchtung modernisiert und die Fußgängerwege neu gestaltet. Heute ist sie wieder in vollem Glanz zu erleben — und seit der Renovierung tagsüber für Autos zeitweise gesperrt, was sie zu einem deutlich angenehmeren Ort für Spaziergänger gemacht hat.

Adam Clark und der Tunnel

Auf der Budaer Seite endet die Brücke an einem runden Platz, dem Adam Clark tér, benannt nach dem schottischen Bauleiter. Direkt hinter dem Platz öffnet sich der Burgbergtunnel — ebenfalls von Adam Clark entworfen. Es heißt scherzhaft, der Tunnel sei genauso lang wie die Brücke (350 Meter), damit die Kettenbrücke bei Regen darin „untergebracht“ werden könne. Tatsächlich passt sie nicht ganz hinein — aber die ungarische Liebe zu solchen Anekdoten zeigt, wie sehr die Brücke zum Stadtmythos gehört.

Wo Sie die Kettenbrücke am schönsten erleben

  • Zu Fuß über die Brücke laufen — am besten in der Dämmerung, wenn die Beleuchtung gerade angeht
  • Vom Adam Clark tér mit der Standseilbahn (Sikló) hinauf zum Burgviertel — der Blick zurück auf die Brücke ist großartig
  • Von der Fischerbastei aus mit Parlament und Kettenbrücke im Bild — das klassische Postkartenmotiv
  • Am Abend von der Donau-Promenade in Pest, wenn sich die Lichter im Wasser spiegeln
  • Auf einer Donau-Schifffahrt unter der Brücke hindurch — besonders eindrucksvoll bei Nacht

Tipps für Ihren Besuch

  • Planen Sie für die Überquerung 15–20 Minuten ein — viele Besucher bleiben unterwegs für Fotos stehen.
  • Die schönsten Lichtverhältnisse für Fotos sind kurz vor Sonnenuntergang („Goldene Stunde“) und in der ersten Stunde nach Sonnenaufgang.
  • Im Sommer kann es auf der Brücke sehr warm werden — Wasser mitnehmen.
  • Die Brücke ist barrierefrei zugänglich, der Burgberg dahinter weniger — wer auf eine Standseilbahn oder den Bus 16 angewiesen ist, sollte das vorher planen.
  • Abendliche Spaziergänge sind zu jeder Jahreszeit ein Highlight — Budapest ist abends besonders gut beleuchtet.

Die Kettenbrücke als Teil Ihrer Tour

In meinen klassischen Stadtführungen ist die Kettenbrücke fast immer dabei — oft als verbindendes Element zwischen der Pester Innenstadt und dem Budaer Burgviertel. Wir starten meist am Donau-Korso, überqueren die Brücke gemeinsam, fahren mit der historischen Standseilbahn auf den Burgberg und genießen oben den Panoramablick zurück über die Donau.

Gerne plane ich Ihre Tour so, dass wir die Kettenbrücke zu zwei verschiedenen Tageszeiten erleben — etwa bei Tag auf dem Hinweg und am Abend auf dem Rückweg. Dann zeigt sich, warum diese Brücke nicht nur ein Bauwerk ist, sondern das pochende Herz Budapests.

Foto: Dan Freeman / Unsplash

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